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Nachruf: Prof. Dr. Günter Löffler

Am 27. Oktober 2005 verstarb Prof. Dr. Günter Löffler, Lehrstuhlinhaber für Kulturgeographie an der Universität Würzburg nach schwerer Krankheit im Alter von 54 Jahren. Günter Löffler hatte in Kiel Geographie, Mathematik, Völkerkunde, Ur- und Frühgeschichte studiert und wurde 1977 mit einer Dissertation über „Studien zur genetischen Wirtschaftsgeographie im ländlichen Siedlungsbereich des ehemaligen Amtes Eutin“ promoviert. Von 1977 bis 1980 war er als wissenschaftlicher Assistent am Geographischen Institut der Universität Kiel tätig, anschließend wechselte er als wissenschaftlicher Referent zum Landschaftsverband Rheinland, Abt. Kultur und Umwelt, an dessen Außenstelle in Trier. In dieser Funktion oblag ihm die Koordination des „Geschichtlichen Atlas der Rheinlande“, zu dem er auch selbst bis in die jüngste Zeit Karten beigesteuert hat. Extern konnte er sich 1982 an der Universität Trier für das Fach Anthropogeographie habilitieren mit einer Habilitationsschrift „ Agrarstrukturelle Entwicklungstendenzen und ihre Determinanten im Umland der schwedischen Agglomerationsräume nach 1850 – multivariate raum-zeitliche Beschreibungs- und Erklärungsmodelle“.1987 wurde Löffler zum apl. Professor ernannt, seit 1993 versah er den Lehrstuhl für Kulturgeographie an der Universität Würzburg.

Günter Löffler verfügte in einer Person über in dieser Verbindung seltene geographische Kompetenzen. Er war, seit seiner Promotion und Mitarbeit am Geschichtlichen Atlas der Rheinlande ein kenntnisreicher historischer Geograph und er hatte andererseits, vor allem im Zuge seiner Arbeiten zur Wirtschaftsgeographie, schon früh Erfahrungen mit quantitativ-statistischen Verfahren, insbesondere multivariaten Beschreibungs- und Erklärungsmodellen gesammelt. Räumlich konzentrierten sich seit der Habilitationsschrift bis in die jüngste Vergangenheit viele Arbeiten auf Schweden. Ein Forschungsschwerpunkt war hier die Analyse der Versorgungssituation in dünn besiedelten peripheren Räumen. Hier führte er eine Reihe von empirischen Arbeiten auf der Basis umfassenden statistischen Datenmaterials zur Problematik der Grundversorgung der Bevölkerung mit Waren durch und versuchte besonders, Modellvorstellungen für die künftige Entwicklung zu entwerfen. Im Rahmen der geographischen Handelsforschung befasste er sich, gemeinsam mit Kollegen Rauh, in den letzten Jahren auch mit agentenbasierten Mikrosimulationsverfahren und GIS. Zusammen mit Barbara Hahn und Jürgen Rauh übernahm er Aufgaben in der Organisation des AK Handelsforschung.

Günter Löffler hat bei seinen Forschungsprojekten immer angewandt gearbeitet. Entwicklungsplanung in ländlichen Räumen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, war ein Thema, das ihn seit seiner Kieler bzw. Trierer Zeit beschäftigt hat. Für die Stadt Trier erstellt er verschiedene Gutachten, u.a. einen Mietspiegel. Einen speziellen Schwerpunkt entwickelte er, auch aufgrund persönlicher Erfahrungen, zum Thema Umweltbelastung und daraus resultierende Gesundheitsrisiken.

Günter Löffler war ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Landeskunde und brachte in die Akademie vor allem seine großen Kenntnisse und Erfahrungen mit Kartographie ein. In dieser Funktion war er auch im wissenschaftlichen Beirat des Nationalatlas Deutschland tätig, der zu einem Referenzwerk für die Leistungskraft der deutschen Geographie wurde. Zu diesem Atlaswerk hat er auch selbst Karten und Texte beigesteuert, u.a. zum Band 9 „Verkehr und Kommunikation“.

Die deutsche Geographie verliert mit Günter Löffler einen vielseitig interessierten, kollegialen und innovativen Wissenschaftler, der im Laufe seines Berufslebens auf verschiedenen Feldern der Humangeographie wichtige und wegweisende Arbeiten geleistet hat. Die Deutsche Akademie für Landeskunde trauert um ihr langjähriges Mitglied und um einen engagierten Streiter für die deutsche Geographie.

Prof. Dr. Hans Gebhardt, Universität Heidelberg

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